Ehrenmitglied KO Götz verstorben

K.O. Götz in seinem Atelier (Foto: A.C. Oellers 2007)

Am 19.8.2017 ist der 1914 in Aachen geborene Maler Karl Otto Götz in seinem Wohnort Wolfenacker im Westerwald verstorben, wo er seit 1975 mit seiner Frau Rissa lebte.

Er war der letzte lebende Pionier und Zeitzeuge einer bedeutenden Generation deutscher Künstler, welche die Moderne im Deutschland nach dem II. Weltkrieg international wieder zu  Ansehen gebracht hat. Schon früh der Abstraktion zugewandt, erlebte er das Verdikt der "Entartung", Kriegsdienst, Verlust des Ateliers 1945 in Dresden, ehe er im Westen mit surrealistischen Graphiken und Texten einen Neuanfang wagte. Frühe Verbindungen nach Paris und Amsterdam festigten seine Bedeutung für die Entwicklung der Nachkriegs-Avantgarde, ließen ihn z.B. zum einzigen deutschen Mitglied der Gruppe "CoBrA" werden.

1951/52 fand Götz seine charakteristische Formel innerhalb der Malerei des Informel, die er Zeit seines Lebens in immer neuen Varianten und Materialien erprobte:

Nach einem zuvor im Kopf ausgedachten Grundmuster wird die stark flüssige Farbe in schnellen, spontanen Bewegungen mit breiten Pinseln, Besen oder Rakeln auf die liegende Leinwand aufgebracht bzw. auch wieder herausgewischt. Im Moment des Malens bleibt das kompositorische Kalkül ausgeschlossen; die nicht mehr kontrollierte Mal-Geste bestimmt die Bildform und lockt Unbekanntes hervor. Erst in einer Nachbetrachtung entscheidet der Künstler über die Akzeptanz oder das Verwerfen seines Werkes.

Sein Ruhm als Pionier des Informel begleitete ihn sein ganzes Künstlerleben - sei es durch seine vielen internationalen Preise und Ausstellungen, sei es durch seine langjährige Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie mit seinen vielen, nicht minder prominenten Schülern. In der heutigen Ära der weitgehend bildlosen Künste blieb Götz ein unbeirrter Vertreter einer Malerei, die in der Anschauung des künstlerischen Malprozesses und seines bildhaften Resultates einen Höchstgewinn an ästhetischen Empfindungen vermitteln konnte.

Durch die Ehrenmitgliedschaft von Götz und Rissa im Verein "Mies van der Rohe-Haus Aachen e.V." kommt die hohe Wertschätzung und Verbundenheit auch im regionalen Rahmen zum Ausdruck: So veranstaltete und unterstützte der Verein mehrere Götz-Ausstellungen und Aktivitäten in Aachen, während Götz wiederum dem Verein das großartige, derzeit im Suermondt-Ludwig-Museum präsentierte Monumentalbild "Vive Aix-la-Chapelle" von 2005 schenkte.

Mit dem Tod von KO Götz ist nun auch der letzte Protagonist verstorben, der dazu beigetragen hat, daß eine ganze Generation Aachener Künstler aus der Ära der klassischen Moderne zu internationalem Ansehen gelangt ist.