Abb. 16 u. 17: Längsschnitt und Grundriss des Großen Hauses, Plan gespiegelt
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Längsschnitt und Grundriss
Abb. 18: Rückansicht des Nationaltheaters Mannheim mit Eingang zum Kleinen Haus
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Rückansicht
Abb. 19 u. 20: Längsschnitt und Grundriss des Kleinen Hauses
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Längsschnitt und Grundriss
Abb. 21 u. 22: Raumplan Nationaltheater - Obere und Untere Ebene
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Raumplan
Abb. 23: Detailfoto mit der weitgespannten außenliegenden Tragkonstruktion
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Detailfoto
Abb. 24: Transportkiste für das Modell per Luftfracht von USA nach Deutschland
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Transportkiste
Abb. 25: Dachaufsicht mit den sieben Binderkonstruktionen und dem Bühnenturm (Modellfoto: R Bertig)
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Dachaufsicht Modell

Eine Analyse des Raumprogramms wies auf die Notwendigkeit eines durch eine Doppelstruktur geprägten Theaterbetriebs hin. Die Bühnen und Werkstätten erfordern große stützenfreie Räumlichkeiten, während vergleichsweise kleine Räume den Bedarf an Ankleidezimmern, Verwaltungs- und Geschäftsbüros, Kostümwerkstätten usw. decken. Diese Analyse führte zu einer doppelgeschossigen Struktur: Das obere Geschoss hat eine Höhe von 12 Metern, das untere Geschoss ist 4 Meter hoch. Die klare Trennung der Funktionen und ihre räumliche Gestaltung auf getrennten Ebenen bietet nicht nur den Vorteil großer Flexibilität, sondern ist auch Voraussetzung für eine moderne und effiziente Betriebstechnik mit ihren wirtschaftlichen Vorteilen.

Das Gebäude wurde für das von der Stadt vorgesehene Grundstück entworfen. Im unteren Geschoss befinden sich zwischen den beiden Theatern, sie teilweise auch umschließend, die Räume für das Orchester, die Theater- und Geschäftsverwaltung, die Ankleideräume mit dem Kostümmagazin, die verschiedenen Proberäume, eine große Warte- und Aufenthaltshalle für das künstlerische Personal, die Kantine, die Küche sowie die Warenannahme mit Frachtaufzug und Garage. Diese Räume sind funktionsgemäß angeordnet und durch ein einfaches Korridorsystem mit zwei Fluren verbunden. Am Ende der Flure führen zwei Treppen zu den Bühnen hinauf.

Im Obergeschoss, unmittelbar an den Treppen zu den Bühnen, liegen die Sologarderoben mit Konversationszimmer. Die beiden Bühnen stehen mit den Werkstattflügeln in direkter Verbindung. Die Malerwerkstätten liegen im Zentrum des Gebäudes zwischen diesen Flügeln und den Lagerräumen. Ein einfaches Korridorsystem verbindet die Räume.

Eine optimale Konstruktion schien mir darin zu bestehen, diesen umfangreichen Theaterorganismus mit einer großen, sich selbst tragenden Halle aus Stahl und getöntem Glas zu überdecken oder, anders ausgedrückt, gewissermaßen in eine solche Halle hineinzustellen.

Das untere Geschoss und das Zentrum des oberen Geschosses mit den Bühnen, Werkstätten und Lagerräumen sind von der Hallenkonstruktion durch ein leichtes, feuerfestes Material getrennt. Die Halle ist um 8 Meter breiter als das untere Geschoss, so dass 4 Meter breite Loggien entstehen. Diese Loggien grenzen unmittelbar an die Parkplätze an. Ein kleines Kellergeschoss für Heizung, Entlüftung und Stromversorgung erstreckt sich unterhalb der gesamten Gebäudebreite, ist selbst aber nur 16 Meter breit.

Mit vielen Details des Theaterbetriebs und der Produktion haben wir uns gar nicht erst befasst, weil diese nur im Einvernehmen mit den Theaterleuten zu lösen sind. Vielmehr wollten wir eine wohl durchdachte und ausreichende Raumaufteilung schaffen, die für jedes künstlerische Vorhaben auf und hinter der Bühne geeignet ist. In den Frühstadien der Entwurfsarbeiten hatten wir vor, die Bodenfläche des oberen Stockwerks über den ganzen von der Halle eingeschlossenen Raum hin auszudehnen und die Zuschauerräume abzuschließen, wodurch sie von den Foyers getrennt sein würden. Ein weiterer Schritt führte uns dazu, die Zuschauerräume zu öffnen und schließlich, im Falle des Großen Hauses, Erdgeschoss und oberes Stockwerk zusammenzunehmen, wodurch eine imposante, festliche Halle entstand."